****** Das Cover hat Symbolcharakter: Waren The Sweet bis 1974 nicht mehr oder minder Marionetten von Mike Chapman, Nicky Chinn und Phil Wainman, so nahmen sie ab 1975 die Fäden selber in die Hand. Brian Connolly, Andy Scott, Mick Tucker und Steve Priest waren bis zu diesem Zeitpunkt nicht mehr als Hitlieferanten, die das singen und spielen mußten, was ihnen aus der Hitschmiede von Nicky Chinn und Mike Chapman vorgesetzt wurde. Das allerdings sehr erfolgreich, gelangen ihnen zwischen 1971 und 1974 allein in der Bundesrepublik Deutschland 12 Top Hits, 7 davon kamen sogar auf Platz 1 („Co Co“, „Little Willy“, Wig-Wam Bam“, Blockbuster“, Hell Raiser“, „Ballroom Blitz und „Teenage Rampage“). Ihre eigenen Kompositionen fanden lediglich auf den B-Seiten Platz. Das waren allerdings Stücke, die im krassen Gegensatz zu den A-Seiten standen (man denke nur einmal an das krachende „Done Me Wrong Alright“, der B-Seite des poppigen „Co Co“). In den ersten Jahren hatten die Produzenten Phil Wainman bzw. Nicky Chinn und Mike Chapman wenig Interesse, The Sweet auch als LP-Band zu etablieren. So ist ihr erstes Album „Funny How Sweet Co-Co Be“ von 1971 eher im Poprockbereich anzusiedeln und Album Nummer 2 „The Sweet“ eine Zusammenstellung der ersten Hits plus den dazugehörigen B-Seiten. Erst mit den beiden 74er Alben „Sweet Fanny Adams“ und „Desolation Boulevard“ konnten die Jungs zeigen, daß sie mehr drauf haben, als nur vorgegebenes Material zu spielen. 1974 trennte sich die Gruppe schließlich von Nicky Chinn und Mike Chapman und nahm ihre Geschicke sowohl als Komponisten als auch als Produzenten in die eigene Hand. Und was sie machten, brauchte sie hinter dem von Chinn/Chapman nicht zu verstecken. Auch wenn The Sweet zum damaligen Zeitpunkt noch als Glamrockgruppe galt und der Glamrock 1975 in seinen letzten Zügen lag, konnten sie in eigener Regie ihre Erfolgsserie nahtlos fortsetzen. Gleich ihre erste eigene Singleproduktion „Fox On The Run“ entwickelte sie zu einem ihrer größten Hits (in der Bundesrepublik Deutschland ihr achter und letzter Nummer 1 Hit). Auch die Nachfolgesingle „Action“ erreichte hohe Hitparadenplazierungen (u.a. Nummer 2 in der Bundesrepublik Deutschland). Neben den beiden Singlehits „Fox On The Run“ und „Action“ sowie dem Ende 1974 erschienenen Album „Deslation Boulevard“ hatten The Sweet mit dem Doppelalbum „Strung Up“ noch ein heißes Eisen im Hitparadenfeuer. Seite 1 und 2 präsentiert The Sweet live. Die Aufnahmequalität ist teilweise zwar lausig, beweist aber, daß Brian, Andy, Mick und Steve entgegen aller Kritikermeinung gute Musiker waren, die ihr Handwerk verstanden. Währen diese Aufnahmen besser abgemischt, dann würden sich die Liveversion von „Done Me Wrong Alright“, „The Man With The Golden Arm“, „Hell Raiser“ und „Burning/Someone Else Will“ mit Sicherheit im 6 Sterne-Bereich bewegen. Seite 3 und 4 bieten ein Best-Of mit Single A- und B-Seiten sowie zwei Stücke aus „Sweet Fanny Adams“ und „Desolation Boulevard“. Diese beiden Seiten mit solchen Krachern wie „Blockbuster“, „Ballroom Blitz“, „The Six Teens“, „Fox On The Run“, Action“, „Burn On The Flame“ und „I Wanna Be Committed“ wird man sicher wesentlich häufiger hören als die Liveaufnahmen. Alles in allen bietet „Strung Up“ ein uneingeschränktes Hörvergnügen. Für alte Fans ist dieses Doppelalbum unverzichtbar, enthält es die einzigen Liveaufnahmen der Gruppe. Und wer die Gruppe in ihrer besten Zeit einmal kennenlernen möchte, bekommt den idealen Einstieg. Last edited: 12.04.2008 16:50 |