| ****** 1977 hatten die internationalen Musikkritiker andere Probleme, als über eine neue Langspielplatte von Queen zu berichten. Zu jener Zeit tobte in England die Punkrevolution und Weiterentwicklung davon, New-Wave, stand schon Gewehr bei Fuß. Gewiß, einige Bands aus der Punkszene machten auf ihre Art und Weise schon gute Musik (z.B. The Strangler, aber es wäre unfair, diese Band in der Schublade des Punkrocks einzuordnen), und es gab in dieser Szene eine Vielzahl von Musikern mit Potential (z.B. Johnny Rotten von den Sex Pistols). Und einige Band, die schon frühzeitig die Zeichen der Zeit erkannt hatten und vom Punk auf die wesentlich komplexere New-Wave umgestiegen haben oder solche, die gleich unter dem Etikett New-Wave an den Start gegangen waren, machten verdammt gute Musik (z.B. The Jam, Ultravox oder The Police). Da wirkte eine Gruppe wie Queen wie ein veraltertes Relikt, vertraten sie doch den Bombastrock der 70er Jahre. Und wenn sich doch einige Musikjournalisten mit ihrem neuestes Werk „News Of The World“, dann hagelte es vernichtende Kritiken. Was hatten Freddie Mercury, Brian May, Roger Taylor und John Deacon schlimmes verbrochen, daß die Kritiker so unwirsch auf ihr neues Werk reagierten? Ganz einfach, Queen waren sich und ihrem Sound treu geblieben, was heißt, das sie einfach nur verdammt gute Musik spielten. Ihren unzähligen Fans gingen die Kritikerschelten- und schmähungen an den Alterwertesten vorbei, kauften sie „New Of The World“ und die daraus ausgekoppelten Singles in so rauhen Mengen, so daß die vier musikalischen Königinnen einmal mehr Edelmetall zu Hauf einkassierten konnten. Und das völlig zurecht, haben Queen doch einmal mehr ein verdammt gutes Album eingespielt. Gleich der Opener „We Will Rock You“ packt sofort: Ein kurzer, knapper und donnernder Rocker, mit einem denkwürdigen, unglaublich schneidenden Gitarrensolo von Brian May. Kein Wunder, daß „We Will Rock You“ längst ein Rockklassiker ist. Genau wie die bombastische Rockballade „We Are The Champions“. Ob sich Freddie, Brian, Roger und John mit dem wenig bescheiden klingenden Titel selber gemeint haben, wird wohl ihr Geheimnis bleiben. Kein Geheimnis ist, daß dieser phantastische Titel, eine Hymne ohnegleichen, innerhalb kürzester Zeit ein weltweiter Tophit wurde und heute zu Queens populärsten Titeln avancierte. Bei Siegerehrungen diverser Sportveranstaltungen gehört „We Are The Champions“ mittlerweile zum Standart. In „Sheer Heart Attack“ rockt die Band einen mächtig vom Leder und zeigt den Punkern, wie man einen Rocksong mit einem irren Tempo richtig spielt. Interessant ist übrigens, daß das dritte, Ende 1974 veröffentlichte Album „Sheer Heart Attack“ hieß, aber ein gleichnamiger Titel erst drei Jahre später auf ihrem sechsten Album erschien. Den krassen Kontrapunkt zu dem Temporocker setzen Queen in der verträumt, leicht düsteren Pianoballade „All Dead, All Dead“, einem der besten Stücke auf „News Of The World“. „Spread Your Wings“ ist eine dieser unwiderstehlichen Rockballaden, die die Band im Laufe ihrer langen Karriere immer wieder aus den Ärmeln schüttelte. Als zweite Singleauskopplung bescherte es der Band im Frühjahr 1978 einen weiteren internationalen Hit. Mit dem krassen, leicht funk-beeinflußten Rocker „Fight From The Inside“ setzten Queen erneut einen erfrischenden Kontrapunkt zu den eher verhaltenden Stücken. Richtig knackig klingt „Get Down Make Love“, ein Rocker mit kleinen sexuellen Anspielungen. In „Sleeping On The Sidewalk“ bieten Queen eine gesunde Mischung aus Rock, R&B und Boogie-Woogie, jene Musik, mit der zu jener Zeit ihre britischen Landsleute von Status Quo Erfolg auf Erfolg feiern konnten. Richtig entspannt wirkt „Who Needs You“, ein Stück das so klingt, als hätten Freddie & Co. an einem schönen Sommerabend am Strand von Acapulco eingespielt. Eine kleine, kauzige Mini-Oper bieten Queen in dem recht rockigen „It’s Late“. Das Stück ist in Scene 1 bis Scene 3 aufgeteilt und setzt die Tradition von Stücken wie „Bohemian Rhapsody“ und „Somebody To Love“ fort, hier allerdings in einer wesentlich strafferen und weniger bombastischen Variante. Als Singleauskopplung war „It’s Late“ im Frühsommer 1978 ein kleiner Hit in den USA. Den Schlußpunkt eines meines Erachtens nach herausragenden Albums bildet „My Melancholy Blues“, ein verträumtes Lied, das so klingt, als hätten sie es spontan in einem Pub eingespielt. Ein Großteil der Queen Fans hält das phantastische „A Night At The Opera“ aus dem Jahre 1975 für das beste Album der Band. Für mich steht aber „News Of The World“ (übrigens gleichberechtigt mit dem phänomenalen Debütalbum von 1973) an erster Stelle, weil Queen gerade auf diesem Album eine unglaublich abwechslungsreiche Bandbreite ihres musikalischen Spektrums bieten. Hier wirken ihr Sound wesentlich straffer und nicht so aufgeblasen (was nicht negativ gemeint ist) als auf den Vorgängern. Gleichzeitig markierte es so etwas wie einen Neuanfang, und zwar weg vom Bombastrock a la „Bohemian Rhapsody“, hin zu packenden, zeitgemäßen Rocksongs. Leider ist „News Of The World“ zum falschen Zeitpunkt erschienen und hat eigentlich nie so richtig die Anerkennung erhalten, die ihm eigentlich zusteht. Wer ein ganz großes Stück 70s Rockmusik haben möchte, der kommt an „News Of The World“ einfach nicht vorbei. Last edited: 08.06.2006 13:40 |