**** Nach den großen Erfolgen des Albums „The Roaring Silence“ und der Single „Blindet By The Light“ war Manfred Mann’s Earth Band endgültig in die Topriege der Supergruppen aufgestiegen. Dementsprechend lastete ein gehöriger Druck auf der Gruppe, den einmal gewonnenen Status nicht gleich wieder zu verlieren. Im März 1978 erschien das mit Spannung erwartete achte Album „Watch“. Auch wenn die insgesamt sieben Stücke des neuen Album die gewohnte Klasse aufweisen, so kann es doch nicht ganz mit den grandiosen Vorgängern „Messin‘“, „Solar Fire“, „The Good Earth“, „Nightingale & Bombers“ und „The Roaring Silence“ mithalten. Irgendwie spürt man beim Anhören den enormen Erfolgsdruck, den die Band nun mal ausgesetzt war. Für die Produktion von „Watch“ gab es erst einmal eine Personaländerung, denn der langjährige Bassist Collin Pattenden hatte die Earth Band verlassen und war durch Pat King ersetzt worden. Ansonsten war alles beim alten geblieben, inklusive der Tatsache, daß die Earth Band halt gute Musik machte. Trotzdem ist „Watch“ relativ enttäuschend ausgefallen, neben „Gloryfied Magnified“ ihr schwächste Album in den 70er Jahren. Ein wirklich schwaches Stück gibt es auf „Watch“ nicht, daß sei einmal angemerkt. Allerdings klingen Stücke so, als hätte Manfred Mann versucht, denn doch sehr komplexen Sound seiner Gruppe in Richtung Mainstream-Rock zu lenken. Die Stücke der ersten Seite machen das deutlich. „Circles“, „Drowning On Dry Land/Fish Soup“ und „Chicago Institute“ machen das deutlich. Lediglich „California“ kann richtig überzeugen. Wesentlich besser ist Seite 2 mit „Martha Madman“ und den beiden live eingespielten „Davy’s On The Road Again“ und „Mighty Quinn“. Gerade die Liveversion des alten MM-Hits „Mighty Quinn“ ist interessant, sie klingt so, als hätte die Earth Band diesen Bob Titel zu „Solar Fire“-Zeiten einggespielt. In gekürzter Version war dieses Stück Mitte 1978 ein mittelprächtiger Hit in der Bundesrepublik Deutschland (Platz 36). „Davy’s On The Road Again“, eine Nummer aus der Feder von Robbie Robertson, kam als Single im Juni 1978 bis in die englischen Top 10. Im instrumentalen Mittelteil erinnert das Stück ein wenig an Emerson, Lake & Palmer. Wenn man sich „Watch“ einmal komplett angehört hat, verspürt man eigentlich kaum Lust, sich das Album ein zweites Mal aufzulegen. Gemessen an „Messin‘“, „Solar Fire“, „The Good Earth“, „Nightingales & Bombers“ und „The Roaring Silence“ ist es wirklich schwach. Trotzdem bot es seinerzeit eine echte musikalische Alternative zum Überangebot an mit heißer Nadel gestrickten Punk-, New Wave- und Discoproduktionen (obwohl es in diesen drei Genres zu jener Zeit wirklich hervorragende Produktionen war). Obwohl „Watch“ nicht gerade eine Offenbarung ist, wurde es einer der größten Albumerfolge für die Earth Band. In der Bundesrepublik Deutschland gehörte es in den Jahren 1978/79 zu den bestverkauften Alben überhaupt, wurde hier der größte Verkaufserfolg der Band und nebenbei mit Gold ausgezeichnet. Als Einstieg in die Musik von Manfred Mann’s Earth ist „Watch“ bedingt empfehlenswert. |