***** 1976 sorgte George Harrison für Schlagzeilen in der Musikpresse. Der Grund dafür war, daß ihn ein amerikanisches Gericht nach einem jahrelangen Rechtsstreit dazu verurteilte, den Autoren von „He So Fine“ Millionen an Tantiemen zu zahlen. Schließlich hatte er die Melodie seines großen Hits „My Sweet Lord“ von „He’s So Fine“ abgekupfert. Auch wenn ihn die gerichtlich festgelegten Zahlungen geschmerzt haben, am Hungertuch brauchte er nicht zu nagen. Dafür sorgten allein schon die Einnahmen seiner Platten. George antworte auf den jahrelangen Rechtsstreit und dem Urteil mit dem Lied „This Song“, eine süffisante Aufarbeitung dieser unerfreulichen Angelegenheit. Als Single kam dieses Stück zur Jahreswende 1976/77 immerhin bis in die amerikanischen Top 40. 1976 sorgte nicht nur für negative Schlagzeilen (sofern man diese Angelegenheit als negativ bezeichnen kann), er erfreute im Herbst dieses Jahres seine Fans mit einem neuen Album. Sein mittlerweile achtes Solowerk hieß „33 & 1/3“. Der Titel stellt ein hübsches Wortspiel dar: Zum einen ist diese Angabe die Umdrehungszahl einer Langspielplatte und zum anderen war George bei den Aufnahmen dieses Werkes 33 und ein viertel Jahr alt. Im Gegensatz zu dem hervorragenden Vorgänger „Extra Texture“ aus dem Jahre 1975 bietet George auf „33 & 1/3“ eine ausgewogene Mischung aus flotten Titeln und Balladen. Im Gegensatz zu den Balladen wissen die flotten Titeln, mit Ausnahme von „Crackerbox Palce“ (war als zweite Singleauskopplung Anfang 1977 ein Top 30 Hit in den USA) nicht so ganz zu überzeugen. Wenn er allerdings sanfte Titel wie „Dear One“, „Beautiful Girl“, „See Yourself“ und „Learning How To Love You“ singt, dann ist er schon eine Klasse für sich. Interessant und beachtenswert ist seine Interpretation des Cole Porter Klassikers „True Love“. Wer die Originalversion von Bing Crosby und Grace Kelly hütet wie seinen Augapfel, der wird bei Georges eigenwilliger Version vor Schreck die Hände über den Kopf zusammenschlagen. Im Großen und Ganzen klingt „33 & 1/3“ als Gesamtwerk sehr amerikanisch und man braucht schon etwas Zeit, um sich mit ihm anzufreunden. Mit Sicherheit ist es nicht sein bestes Werk, man es als gehobenen Durchschnitt einstufen. Aber was heißt schon gehobener Durchschnitt bei einem solchen Musiker wie George Harrison?! Andere Künstler wären froh, verfügten sie nur über die Hälfte von dem Potential, das George auf „33 & 1/3“ offenlegt. |