***** Eines der am wenigsten bekannten Werke im Schaffen des George Harrison dürfte das 1982 erschienene „Gone Troppo“ sein. Von der Qualität reiht sich dieses Werk nahtlos ein in die Reihe seiner guten Arbeiten seit 1973. Musikalisch präsentiert sich George hier abwechslungsreich wie selten zuvor. Teilweise hatte sich George auf „Gone Troppo“ dem musikalischen Zeitgeist der frühen 80er Jahre ein wenig angepaßt. Besonders deutlich wird das im Opener „Wake Up My Love“, der als Singleauskopplung ein kleiner Hit in den US-Charts war. Zusammen mit Mike Moran (Keyboards, Synthesizer), Henry Spinetti (Schlagzeug) und Ray Cooper (Percussion) –George selber spielt Gitarre und Baß- bietet George in diesem Stück leichten, lockeren Rock. „That’s The Way It Goes“ ist ein sanft dahinfließender Titel mit leichten Countryeinflüssen. George Slidegitarre verleihen dem Titel eine wirklich schöne Atmosphäre. Musikalisch völlig ungewohnt kommt er in „I Really Love You“, der einzigen Fremdkomposition auf „Gone Troppo“, daher. Das Stück ist ein Doo-Wop im Stil der 50er Jahre. Währe das Stück nicht auf diesem George Harrison Album, man käme nicht auf die Idee, daß es von George ist. Im Gegensatz dazu erkennt man beim (Fast)Instrumental „Greece“ den Urheber sofort. Hier erkennt man aufgrund des unverwechselbaren Gitarrenspiels George sofort. Karibisch angehaucht kommt „Gone Troppt“ daher, ein fröhliches Stück mit einer sonnigen Atmosphäre. Fast im gleichen Fahrwasser fährt „Mystical One“. Das Mandolinenspiel von George und Joe Brown verbreitet so etwas wie Urlaubsstimmung Marke Mittelmehr. „Unknown Delight“ und „Baby Don’t Run Away“ sind zwei ruhige, eher besinnliche Titel, wie man sie von George in der Vergangenheit schon oft gehört hat und mit denen er nie enttäuscht hat. Seine Fans werden diese beiden Stücken mit Sicherheit zu schätzen wissen. Das Glanzstück auf „Gone Troppo“ ist m.E. „Dream Away“, ein Stück, bei dem Erinnerungen an „My Sweet Lord“ wach werden. Wer den Film „Time Bandits“ gesehen hat, der wird diesen prachtvollen Titel aus dem Abspann kennen („Time Bandits“ hatte George übrigens mitproduziert). Hätte George „Dream Away“ zehn Jahre früher eingespielt, so wäre ihm damit ein Superhit sicher gewesen. Leider interessierte sich 1982 kaum ein Mensch für ein solches Lied, so daß „Dream Away“ als Single seinerzeit ziemlich unbeachtet blieb. „Circles“ bietet zum Abschluß noch einmal eine ruhige Nummer (mit Jon Lord am Synthesizer). Wie alle George Harrison Werke ist auch „Gone Troppo“ ein Album, für das man sich Zeit lassen sollte. Beim oberflächlichen Anhören mag es eher enttäuschend sein, aber wenn man sich einmal näher mit ihm befaßt, dann offenbart es seine Klasse. Es musikalisch sehr abwechslungsreich und die Namen von George Mitmusikern (Billy Prrston, Herbie Flowers, Mike Moran, Ray Cooper, Jim Kelter, Henry Spinetti, Neil Larsen, Jon Lord, Joe Brown und Vicki Brown) garantieren, daß es sich um keinen musikalischen Schnellschuß handelt. George Harrison Fans werden, wenn vielleicht auch nach anfänglichem Zögern, „Gone Troppo“ mögen und es wäre schön, wenn das Album im Nachhinein die Anerkennung erhalten würde, die ihm gebührt. |