***** Auch wenn George Harrison in den 70er Jahren nicht gerade mit vielen Plattenveröffentlichungen aufwarten konnte, so war er doch ein sehr aktiver Musiker (vor allem in der ersten Hälfte der 70er Jahre). Er war als Sessionsmusiker sehr gefragt, hier tauchte er bei vielen namhaften Rockstars auf. Auf als Komponist und Produzent für andere Künstler trat er hin und wieder in Erscheinung, so z.B. bei seinem alten Bandkumpel Ringo Starr (unvergeßlich ihre Zusammenarbeit beim Ringo Hit „Photograph“). Seine eigene Karriere ließ er indes nie aus den Augen, auch wenn diese ab 1974 nicht mehr so erfolgreich verlief, die mit und den beiden Tophits „My Sweet Lord“ und „What Is Love“ so verheißungsvoll begonnen hatte. Wer sein spektakuläres Dreifachalbum „All Things Must Pass“ als grandios empfunden hatte, der von den nachfolgenden Werken eher enttäuscht gewesen sein. Ein Großteil der internationalen Musikkritiker machte aus seiner Enttäuschung keinen Hehl und machte seine Werke in Grund und Boden nieder. Wenn man von einem solch grandiosen Musiker wie George nun einmal musikalische Großtaten erwartet, kann man die teilweise herben Kritiken schon nachvollziehen. Wenn man seine Werke allerdings unter dem Aspekt der persönlichen musikalischen Visitenkarte betrachtet, dann waren diese Kritiken allerdings völlig unberechtigt. Sein sechstes Album „Dark Horse“ ist ein typisches George Harrison Werk. Das heißt, wer hier etwas spektakuläres erwartet, der wird enttäuscht. Statt dessen präsentiert sich George musikalisch einmal mehr eher schlicht, die Feinheiten, die in den einzelnen Stücken stecken, offenbaren sich erst nach mehrmaligen Anhören. Typisch dafür sind die „Dark Horse“ und „Ding Dong Ding Dong“, die als Singleauskopplungen zur Jahreswende 1974/75 in den USA mittlere Hits waren. Gerade „Dark Horse“ erweist beim ersten Anhören etwas sperrig. Wenn man erst einmal Zugang zu diesem Stück gefunden hat, dann merkt man erst, was für eine feine Komposition „Dark Horse“ ist. „Ding Dong Ding Dong“ erscheint im ersten Moment eher banal, verfügt aber über einen ungemeinen Ohrwurmcharakter. In Stücken wie „Far East Man“, „It Is “He“ (Jai Sri Krishna)“, „Hari’s On Tour (Express)“, „So Sad“ und „Maya Love“ spannt George einen sehr gekonnten Bogen aus Rock und leichten Einflüssen von Country, Jazz und Pop. Interessant ist seine Version von „Bye Bye Love“. Interessant, wie George den Klassiker der Everly Brother fast bis zur Unkenntlichkeit verfremdet hat. Mit Sicherheit ist seine Interpretation von „Bye Bye Love“ nicht jedermans Sache, aber interessant ist sie auf jeden Fall. „Dark Horse“ ist ein Werk, das man entweder mag oder zum kotzen findet. Wer George Harrison einmal kennenlernen möchte, der sollte dieses Album auf keinen Fall als Einstieg benutzen. |